In früherer Zeit war der Ludwigshain nur ein mit Kastanienbäumen bewachsener Hügel, deshalb damals, wie zum Teil heute noch, auch als „Keschdeberg“ bezeichnet. Ernst Merk schrieb dazu im „Heimatbuch Weisenheim am Sand“ auf Seite 49 unter anderem: „Dieser Höhenrücken war schon im Jahr 1736 mit Kastanien bestockt.“

Gemäß den von dem Weisenheimer Ehrenbürger, Oberlehrer Hofstadt (*1860, + 1939), überlieferten Notizen soll es ehemals einen Baumbestand bis auf die Speyerer Höhe und sogar noch östlich davon gegeben haben. In seinen Aufzeichnungen vom 04.01.1926 heisst es, „… dass der Schramberg noch vor 60 Jahren, also um 1865 bewaldet war“ und später (05.05.1937) über einen Schramberger Kastanienwald, „… dass dieser 1812 aus Gemeindebesitz in Privatbesitz überging durch Veräußerung der Departmentsregierung Napoleons I. in Mainz, um Mittel für seinen Feldzug nach Russland zu beschaffen“.

Der Keschdeberg war schon immer ein Platz der Ruhe, Erholung und zum Feiern, auch als früher die Bezeichnung Naherholungsgebiet noch unbekannt war. Der Name Ludwigshain, den er im Jahr 1871 erhielt, ist seit dieser Zeit genau so geläufig wie die alte Bezeichnung Keschdeberg. Wie kam es zu diesem Namenswechsel?

Nach dem gewonnenen Krieg 1870/71 wurde am 3. September 1871 ein großes Friedensfest mit einem Festessen in der Wirtschaft „Zum Weissen Ross“ gefeiert. Bei den weiteren Feierlichkeiten am Nachmittag auf dem Keschdeberg wurde spontan beschlossen, als Erinnerung an diesen Sieg mit Genehmigung von König Ludwig II. von Bayern den Keschdeberg zukünftig Ludwigshain zu nennen. Der aus diesem Anlass errichtete Gedenkstein stand ursprünglich auf der rechten Seite des früheren Zugangswegs, der von der östlich am Ludwigshain vorbei führenden Straße „Ludwigshain“ aus ins Zentrum des Keschdebergs führt. Vor mehr als 15 Jahren wurde der Gedenkstein von Unbekannten mutwillig vom Sockel gestoßen, wobei er in zwei Teile zerbrach. Die Bruchstücke des Steins lagerten jahrelang auf dem Gemeindebauhof. Im August 2012 wurde der Gedenkstein restauriert und am jetzigen Platz neu aufgestellt.

Als idealer Platz zum Feiern bzw. auch für polit. Veranstaltungen wurde hier nach 1871 auch der heute nicht mehr bekannte Sedanstag begangen. Dieser Tag war ein Gedenktag, der im Deutschen Kaiserreich (1871–1918) jährlich um den 2. September begangen wurde. Er erinnerte an die Kapitulation der französischen Armee am 2. Sept. 1871 nach der Schlacht bei Sedan, in der preußische, bayerische, württembergische und sächsische Truppen nahe der französischen Stadt Sedan den entscheidenden Sieg im Deutsch-Französischen Krieg errungen und den französischen Kaiser Napoleon III. gefangen genommen hatten. Natürlich wurde der Sedanstag nach dem verlorenen 1. Weltkrieg nicht mehr gefeiert.

Der Ludwigshain war viele Jahre ein beliebtes Ausflugsziel, auch für die städtische Bevölkerung der Umgebung. Im Jahre 1929 investierte deshalb die Gemeinde 12.000 Mark für den Bau einer sogenannten Erfrischungshalle, an welche in späteren Jahren ein Gastraum angebaut wurde.

ErfrischungshalleMännerrunde

Ein im Jahr 1951 gegründeter Verkehrs- und Verschönerungsverein hatte sich die Pflege des Ludwigshains als eine seiner Hauptaufgaben zum Ziel gesetzt, nachzulesen in dem Artikel „Pflanzen aus aller Welt im Ludwigshain“ vom 14.08.51 in der RHEINPFALZ. Der Verein hat im Jahr 1955 auch mit einem Flyer (Auflage: 10.000 St.) für Weisenheim am Sand Werbung gemacht. Welche Vielfalt an Bepflanzung der Ludwigshain einst beherbergte, beschreibt auch Oberlehrer Hofstadt 1934 in seinen Aufzeichnungen: „Der Ludwigshain bietet Anschauung der verschiedenen Nadelhölzer: Kiefer, Weymouthskiefer, Weißtanne, Silbertanne, Rottanne, Wacholder, Zypressen, Birke, Eiche, Hainbuche, Akazien und Eschen sind ausdrücklich erwähnt. An den Prinzregenten Luitpold (1886–1912) erinnert die Tannenallee mit der 1891 gepflanzten Linde, der leider Licht und Luft fehlt und die deshalb verkümmert.“

Heute sind die in früherer Zeit dominierenden „Keschdebääm“ seltener geworden. Nach dem 2. Weltkrieg waren die Keschde aber so begehrt, dass markierte Parzellen jeweils im Herbst versteigert wurden. Im vorderen Teil gab es nach dem 2. Weltkrieg eine wunderschöne Freilichtbühne, welche sich schön in das hügelige Gelände einfügte. Die Theateraufführungen Weisenheimer Laienspielgruppen waren damals in der Region sehr bekannt und auch bei auswärtigen Besuchern geschätzt.

Feuerwehrfeste, Spielmannszugtreffen, Sänger- oder auch Sommernachtsfeste verschiedener Vereine zogen damals Besucher aus nah und fern an. Auch für die verliebte Jugend war der Ludwigshain ehemals ein beliebter Treffpunkt mit vielen lauschigen Plätzen und schattigen Eckchen. Vielen älteren Weisenheimer Bürgern ist auch der heute noch existierende sog. Maramarabaum in guter Erinnerung. Er war einst bei der Jugend ein beliebter Spieletreffpunkt. Seinen Namen hatte er nach einer in der Anfangszeit des Fernsehens bekannten Sendung „Die Kinder von Maramara“.

Besonders erwähnenswert sind auch die sportlichen Ereignisse auf dem Ludwigshain. Im älteren, nördlicheren Teil existierte von Mitte der 30er Jahre an bis 1945 eine Kleinkaliber-Schießanlage der 1932 gegründeten Schützengilde. Die Anlage musste nach dem 2. Weltkrieg total geschleift werden, weshalb heute davon nichts mehr zu sehen ist. Der große Platz rechts neben dem Parkplatz war nach dem 2. Weltkrieg ein gepflegter Sportplatz, wo u. a. der ASV Feldhandball spielte. Jahrelang gab es auch Sportfeste, denn neben diesem Sportfeld existierte eine 80-m-Bahn sowie Anlagen für Weitsprung und Kugelstoßen. Für die Weisenheimer Grundschüler wurden dort die nach dem 2. Weltkrieg eingeführten Bundesjugendspiele abgehalten.

Der zu dieser Zeit am Fuße des Ludwigshain angesiedelte Reiterverein mit seinen auch aktuell weit über die Grenzen bekannten Turnieren darf natürlich hier nicht vergessen werden.

Durch den dichten Baumbestand war der Ludwigshain auch ein richtiges Vogelparadies und stand damit im Fokus der Vogelschützer. Eine große Tafel mit bunten Abbildungen der hier heimischen Vogelarten half früher den Besuchern, die beobachteten Vögel zu identifizieren. Zeitweise gab es bis zu Beginn des neuen Jahrhunderts auch eine große Voliere mit vielfältigem Besatz, die aber leider ebenfalls nicht mehr existiert.

Durch den grundlegenden Wandel der Lebens- und Freizeitaktivitäten in den letzten Jahrzehnten verlor der Ludwigshain leider mehr und mehr von seiner früheren Bedeutung. Viele der ehemals gut besuchten Feste wurden nicht mehr gefeiert und der Keschdeberg fiel jahrelang in einen Dornröschenschlaf.

FamilienfotoWandergruppe

Gänzlich untätig war man allerdings von Seiten der Gemeindeverwaltung nicht. Von Zeit zu Zeit wurden alte Bäume und Unterholz entfernt und etwas aufgeräumt. Später wurde dann rechts des Pavillions ein flaches Gebäude errichtet, das bei Festlichkeiten als Ausschank genutzt wird. Auch der Platz davor wurde überdacht und kann auch für private Feste gemietet werden. Zusätzlich wurden ein neuer Kinderspielplatz und im Wiesenbereich Spazierwege angelegt, Brücken errichtet sowie Sträucher und Bäume angepflanzt. Die ganze Anlage wurde mit einem großen Fest im Mai 1983 eingeweiht. 1986/87 wurde dann die in die Jahre gekommene Erfrischungshalle (Pavillon) abgerissen und in der jetzigen Form neu aufgebaut. Im Jahr 1992 wurde auch eine ca. 10 ha große Fläche offiziell als Naturschutzgebiet ausgewiesen.

Attraktiv wurde der Keschdeberg in den letzten Jahren wieder durch neu ins Leben gerufene Festivitäten, wie Waldleuchten (April), Quetschefest (September) und Waldweihnacht (Dezember). Diese Veranstaltungen, die sich von Jahr zu Jahr steigender Beliebtheit erfreuen, ziehen wieder Besucher aus nah und fern an und machen den „Keschdeberg“ wie in früheren Zeiten zu einem echten Anziehungspunkt und damit weit über die Grenzen Weisenheims hinaus bekannt.

Schild Quetschewanderweg